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Die Diskussion um die medikamentenfreie Therapie

29.05.2017

Leidet ein Patient unter Rückenschmerzen, werden nicht selten Schmerzmittel oder andere Medikamente verschrieben. Laut aktuellen Studien zeigen die eingesetzten Medikamente aber kaum Wirkung.

Die internationalen therapeutischen Leitlinien wurden entsprechend modifiziert. Allerdings gibt es Unterschiede. Während deutsche Ärzte eine multimodalen Schmerztherapie, also eine koordinierte Kombination aus mehreren Ansätzen, befürworten, beschränken sich beispielsweise Ihre amerikanischen Kollegen auf die allgemeine Empfehlung zur Anwendung nicht medikamentöse Maßnahmen.

Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind nicht einheitlich. Mit dem Begriff werden sowohl Schmerzen der Muskeln als auch der Nerven, Knochen oder anderer Strukturen im Bereich des Rückens entlang der Wirbelsäule bezeichnet. Etwa 85 Prozent der Menschen leiden mindestens einmal in ihrem Leben daran. Frauen und Menschen mit niedrigem Sozialstatus (gemessen an Bildung, berufliche Stellung und Einkommen) sind etwas häufiger betroffen. Männer bzw. Leute mit mittlerem oder hohem Sozialstatus leiden seltener.

Obwohl häufig, werden sie selten chronisch. Die meisten Rückenschmerzen (ca. 90 Prozent!) verschwinden innerhalb von vier bis sechs Wochen ohne ärztliches Zutun. Lediglich 10 Prozent werden chronisch. Leider sind diese Zahlen, insbesonder die hohe Rate der “Selbstheilung” nicht absolut zu sehen. Einmal aufgetreten wiederholen sich Episoden mit schmerzhaften Rückenbeschwerden häufiger. So geben 65 Prozent der Betroffenen an, auch ein Jahr nach erstmaligem Auftreten der Kreuzschmerzen noch in Intervallen unter diesen zu leiden.

Medikamente

Am häufigsten werden bei Rückenschmerzen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sowie Paracetamol verschrieben. Beides sind Schmerzmittel, die auch entzündungshemmend wirken. Bis zur Veröffentlichung neuerer Studien galten diese Arzneistoffe als Mittel der ersten Wahl. Andere gängige Schmerzmittel bei Kreuzschmerzen sind Muskelrelaxantien, Antidepressiva, Opioide, systemische Kortikosteroide und Benzodiazepine.

Die aktuellen Studienergebnisse in einer kurzen Zusammenfassung:

Amerikanische Leitlinien (Kurzform)

Die Fachgesellschaft amerikanischer Orthopäden empfiehlt bei chronischen Rückenschmerzen daher neben Gymnastik auch Akupunktur, Yoga, Tai Chi, progressive Muskelentspannung oder Niedrigenergie-Lasertherapie. Genügt diese nicht-medikamentöse Therapie nicht, könnten Ärzte eine Behandlung mit NSAR in Betracht ziehen.

Als Mittel der zweiten Wahl empfiehlt das American College of Physicians das schwach wirksame Opioid Tramadol oder Duloxetin. Opioide sollten jedoch nur dann verordnet werden, wenn die anderen Therapien versagt haben, der Nutzen der Therapie überwiegt und der Patient über die Nutzen und Risiken der Substanzen aufgeklärt wurde.

Die mutimodale Therapie in Deutschland

Dass die medikamentöse Therapie für akute und insbesondere für chronische, nicht-spezifische (Ursache unklar) Kreuzschmerzen nur mäßig wirksam ist, verdeutlicht auch die aktuelle, deutsche Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz (2017). Vor allem bei Langzeitanwendung würden relevante Risiken mit zum Teil erheblichen gesundheitlichen Folgen bestehen.

Empfohlen wird daher ein multimodaler Therapieansatz, bei dem der Schmerz als mehrdimensionales Problem aufgefasst wird. Eine ausschließlich medikamentöse Therapie bei chronischen Rückenschmerzen sei ungeeignet. Vielmehr werden psychosoziale Risikofaktoren identifiziert und der Patient im Hinblick hierauf geschult.

Die Grundlage der multimodalen Schmerztherapie bildet das sog. bio-psycho-soziale Krankheitsmodell. Dabei beziehen sich die Begriffen Bio bzw. Psycho bzw. Sozial unter anderem auf körperstrukturelle Schäden bzw. Krankheitseinstellung, Depression bzw. Familie und Arbeitsplatz. Ziel ist es, die schmerzunterhaltenden Faktoren abzubauen und Umgangsstrategien zu erlernen. Neben verschiedenen nicht-medikamentösen Therapieansätzen wie Sporttherapie, Ergotherapie und Entspannungsverfahren werden chronische Schmerzen aber auch mit Medikamente behandelt.

Als Medikamente werden vorwiegend NSAR, Antiepileptika bei Nervenschmerzen sowie Antidepressiva bei Begleiterkrankungen eingesetzt.

Quelle:



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