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Angebote zur Prävention von Rückenschmerzen zu selten genutzt

01.07.2010

Der Volksmund weiß Bescheid: Vorbeugen ist die beste Medizin. Allerdings gibt es auch den Satz „Abwarten und Tee trinken!“. Vielleicht werden deshalb Angebote zur Vorbeugung, z.B. Rückenschulen zu wenig genutzt.

Die Ursachen
Die Hauptursachen von Rückenschmerzen lassen sich, wenn auch stark vereinfacht, in zwei Gruppen gliedern: Bewegungsmangel und beruflich oder privat bedingte Fehl- oder Überbelastungen der Wirbelsäule.

Dementsprechend sind bestimmte Berufstätige besonders gefährdet, im Laufe des Lebens Rückenschmerzen zu entwickeln. Dazu gehören Personen in Berufen, die eher durch eine sitzende Tätigkeit charakterisiert und Tätige in Berufen für die Fehlhaltungen oder Überbelastungen typisch sind.

Zur ersten Gruppe gehören beispielsweise Sekretärinnen, Informatiker oder andere Personen mit einem Schreibtisch- bzw. PC-Arbeitsplatz. Zur zweiten Gruppe zählen Schwerstarbeiter wie Möbelpacker und Personen, die in „unnatürlicher“ Haltung arbeiten müssen, beispielsweise Fliesenleger oder auch einige Musiker.

Die Entstehungsmechanismen, die bei Bewegungsarmut oder Fehlbelastungen zur Entwicklung von Rückenschmerzen beitragen, sind heute bekannt und gut erforscht. Das hat Ärzten und Therapeuten ermöglicht, gezielte Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, die gezielt helfen können, Rückenschmerzen zu vermeiden.

Die Angebote zur Prävention von Rückenschmerzen
Sie möchten vorbeugen? Das Angebot an Präventionskursen und Schulungen ist riesig! Neben vielen Institutionen wie Krankenkassen, Krankenhäuser, Gesundheitsämter, Sportvereine oder Volkshochschulen bieten auch Sportstudios, Fitnesscenter und spezielle Rückenschulen Kurse oder Einweisungen zur Vorbeugung von Rückenschmerzen an.

In dieser Fülle an Angeboten ist zwischen allgemeinen Kursen (z.B. Fitnessstudio oder Turnverein) und bedarfsgerechten Angeboten zu unterscheiden. Bedarfsgerechte Angebote sind beispielsweise Schulungen, die an Ihrem Arbeitsplatz von Krankenkassen, Berufsgenossenschaften oder speziell von Firmen eingekauften Beratern durchgeführt werden.

Die Wirksamkeit solcher Präventionsmaßnahmen ist vielfach nachgewiesen. In den meisten Untersuchungen zeigte sich aber, dass gezielte bedarfsgerechte Angebote etwa in Form von arbeitsplatznahen Rückenschulprogrammen effektiver sind als allgemeine Kurse. Wer jetzt jedoch annimmt, dass die arbeitsplatznahe und individuelle Gestaltung solcher Programme ausschlaggebend für die bessere Erfolgsrate ist, liegt falsch. Der Hauptgrund für die Effizienz bedarfsgerecht zugeschnittener Angebote ist, dass gerade diejenigen, die von einem Rückenschulprogramm am meisten profitieren könnten, die allgemeinen Angebote offenbar am wenigsten nutzen.

Eine repräsentative Befragung zur Nutzung von Präventionsangeboten, insbesondere Rückenschulkursen, ergab diesbezüglich ein erstaunliches Ergebnis: Nur etwa 6,6 Prozent der erwachsenen Bevölkerung nahmen innerhalb des Jahres vor der Befragung einen Rückenschulkurs zur Vorbeugung von Rückenschmerzen in Anspruch. Das ist alleine deswegen erstaunlich, da über 33% der Befragten angaben, im fraglichen Zeitraum unter Rückenschmerzen gelitten zu haben.

Dabei zeigte sich auch, dass die Teilnehmer von Rückenschulkursen vor allem diejenigen mit einem vergleichsweise geringen Risiko für Rückenschmerzen waren. Dazu zählen:

Seltene Besucher von Rückenschulkursen hingegen waren sog. Risikopersonen:

Fazit
Jeder dritte Deutsche litt innerhalb der letzten sieben Tage an Rückenschmerzen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, ebenso Ältere häufiger als Jüngere und Vollzeiterwerbstätige häufiger als Teilzeitbeschäftigte oder Arbeitslose. Unter sportlich Inaktiven, Rauchern und Übergewichtigen sind Rückenschmerzen besonders stark verbreitet.

Um solche Risikogruppen besser zu erreichen, müssen die gezielte Ansprache und die entsprechenden Angebote verbessert werden. Vorstellbar wären beispielsweise innerbetriebliche Rückenschulkurse für Berufstätige während oder direkt nach der Arbeitszeit oder Spezialkurse für Übergewichtige oder Senioren.

Eine Verbesserung der Angebotssituation ist vor allem dann möglich, wenn die entsprechenden Initiativen seitens der Betroffenen eingefordert oder initiiert werden. Dazu unsere Tipps:

Und zu guter Letzt bemühen wir auch an dieser Stelle wieder den Volksmund und sagen: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Quelle
Befragungsergebnisse aus:  chneider, S. & Schiltenwolf, M.: Preaching to the converted: Über- und Unterversorgung in der Schmerzprävention am Beispiel bundesdeutscher Rückenschulen. Der Schmerz 2005, 19(6):477-488



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